Der Kreisläufer

Der Sog abwärts versiegt, wenn Geist mit Macht erscheint;
hinauf zu großer Schlacht – brüsk gegen Unverstand:
Erproben ohne Falsch, braucht nur des Muts Gewand.
Person heißt diese Kraft, die um die Weisheit greint.

Verstohlen lugt der Tor, gekommen, um zu zaudern,
ins Licht dies‘ laut’ren Kampfs – allein, er stockt und blinzelt.
Was hält den Toren hier? Die Neugier zwar, auch Mitwelt.
Nun setzt er sich und spricht, gemein und frei zu plaudern.

Der Bann des Kreisläufers, das Kind Unzeitgemäßens,
ist Mitgefühl, bald Stolz; so steht und fällt er letztlich –
vor töricht Alltags Gram – aufs Knie herab und sorgt sich.
Getrieben auf den Markt: Was bleibt von hehrem Agens?

Begegnung ist die Lust, die stärkste, die den Geist
je forderte und brach. Dort ist sie dann gesühnt:
Persönlichkeit zeigt erst, wer sich zum Streit erkühnt.
Gewonnen ist die Schlacht, wenn sich der Tor zerzeist.

Domenico di Michelino (1465): Dante und die drei Reiche; Quelle
Domenico di Michelino (1465): Dante und die drei Reiche; Quelle

Ein Gedanke zu „Der Kreisläufer“

  1. Oberflächlich verspielt, bringst du entgegen der Darstellungsform dieses sehr persönliche Motiv kurz und prägnant eindrucksvoll zur Geltung. Gefällt mir noch besser als dein erster Streich, was aber vor allem dem Inhalt geschuldet ist, da es sich hier um einen knackigeren Gedanken als viel mehr um Umstände dreht. Gelungenes Doppelstück. *Daumen hoch*

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